Im Juni 2022 besuchte eine ukrainische Delegation das Jahrestreffen des Bessarabiendeutschen Vereins e.V. in Stuttgart. Sie kam aus der Stadt Sarata und machten auf ihrer Reise auch in Wuppertal Station, um das Grab des Gründers der Stadt, Ignatz Lindl, auf dem Unterbarmer Friedhof zu besuchen. Mit dabei hatten sie einen Gedenkstein, den sie auf dem Grab kurzerhand aufstellten. Anlass war der 200. Geburtstag der Stadt. Nachdem nachträglich noch die Genehmigung eingeholt wurde, erinnert dieser Gedenkstein an eine spannende historische Figur:1

Lindl wurde 1774 nahe dem heutigen Ried (bei Mering) in Bayern als eines von acht Geschwistern geboren. Er wandte sich einer kirchlichen Laufbahn zu und studierte in Augsburg und Dillingen an der Donau. 1799 empfing er die Priesterweihe und erhielt die Kaplanstelle in seinem Heimatdorf. 1818 wurde ihm die Stelle allerdings entzogen, da er sich der Allgäuer Erweckungsbewegung zuwandte. An seiner nächsten Stelle in Grundremmingen fiel er erneut dadurch auf, dass tausende Menschen seine Predigten über Ökumene, die Befürwortung von gemeinsamem Eigentum, sowie die einfachen und strengen Riten wie im vermuteten Urchristentum hören wollten. Er verlor auch diese Stelle.
Lindl traf den Zaren Alexander I. bei einem Deutschlandbesuch und fand zunächst in St. Petersburg einen neue Heimat. Schließlich erlaubte ihm der Zar in der Gegend von Odessa, der heutigen Ukraine, eine Gemeinde zu gründen. Mit 70 katholischen und evangelischen süddeutschen Auswandererfamilien gründete er 1822 Sarata am gleichnamigen Fluss.
Allerdings war sein Erfolg als Redner auch im damaligen Russischem Reich ungebrochen. Darüber hinaus lebte er als katholischer Priester mit seiner Haushälterin Elisabeth Völk zusammen, heiratete sie und gründete eine Familie. Genügend Gründe für den Zaren ihn 1823 auszuweisen – mit der freundlichen Geste von 2000 Rubel Reisegeld. Nach einem Aufenthalt in Berlin kam Lindl nach Barmen zur Rheinischen Missionsgesellschaft, die sich aber bald wieder von ihm trennte. 1845 starb Lindl in Barmen.2

Die Inschrift lautet:
Zum Gedenken an Pastor
IGNATZ LINDL
den Gründer von Sarata,
von dankbaren Einwohnern
anlässlich des 200-jährigen
Bestehens von Sarata,
Bessarabien, Ukraine.
1822-2022
Sarata (Сарата) hat heute ca. 5.000 Einwohner*innen und liegt in der ukrainischen Oblast Odessa.3
Position des Denkmals auf der Karte
Fußnoten:
- Alla Koren, …Und ehrten den Gründer von
Sarata an seinem Grab, in: Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins, 08/2022, S. 8. und Gedenktafel für den Gründer von Sarata, in: ebenda, 12/2022, S. 18. ↩︎ - Seite „Ignaz Lindl“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Juli 2025, 09:45 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ignaz_Lindl&oldid=258191686 (Abgerufen: 20. Dezember 2025, 15:52 UTC) ↩︎
- Seite „Sarata“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Dezember 2025, 17:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sarata&oldid=262423181 (Abgerufen: 20. Dezember 2025, 15:55 UTC) ↩︎

