Eulensicht

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Seit mehreren Jahren wurde um die Skulptur „Pallas Athene“ von Arno Breker gestritten. Hintergrund ist die nationalsozialistische Vergangenheit des Künstlers. Bei einer Podiumsdiskussion im Dezember 2019 schlug NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen vor, im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbes die Breker-Statue durch ein ihr zur Seite gestelltes zeitgenössisches Kunstwerk „kommentieren“ zu lassen. Die Idee wurde positiv aufgenommen, zumal die Ministerin auch Mittel zur Finanzierung versprach.1

2022 kam die Zusage des Landes, 250.000 Euro für die künstlerische Kommentierung zu geben. Die Stadt übernahm einen Anteil von 35.000 Euro. 10 Künstler*innen wurden angesprochen, fünf beteiligten sich bis zum 31. Januar 2024 am Wettbewerb.2

Eulensicht, Pallas Athene und die Inschrift.

Am 24. April 2024 gab die Stadt Wuppertal bekannt, dass eine Jury nach dem Wettbewerb ein Kunstwerk zur Kommentierung von Brekers Athene ausgewählt habe. Es war der Entwurf der österreichischen Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Aksamija. Ihr Werk „Eulensicht“ ist eine interaktive Skulptur, die die Symbolik der „Pallas Athene“ untersucht. Wie ein münzbetriebenes Fernrohr ermöglicht das Bronze-Kunstwerk mit seinen eulenartigen Augen einen Blick auf das Breker-Werk und die Auseinandersetzung damit. Durch die „Ferngläser“ kann der Betrachter die „Pallas Athene“ direkt sehen, umrahmt von einer Schablone, die die Aneignung der Athene durch die Nationalsozialisten symbolisiert.3 Wer durch das Fernglas in Form eines Eulenkopfes schaut, sieht die Kontur des „Pallas Athene“-Kopfes im strengen Profil. In einem solchen Profil erschien die Figur auch auf dem Umschlag des Katalogs zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 und so wird die Anlehnung an die nationalsozialistische Interpretation der Figur aus der antiken Mythologie deutlich gemacht.

Blick aus der Eulensicht.

Im Dezember 2025 wurde die Skulptur zusammen mit Pallas Athene aufgestellt und am 28. Januar 2026 von der Schule eingeweiht. Nachts trifft ein projizierter Lichtstrahl aus der Eulensicht Brekers Figur und wirft dadurch deren Schatten an die Schulfassade. Durch das Licht wird das dort angebrachte Zitat des spanischen Philosophen George Santayana betont: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“4

Eulensicht bei Nacht.

Die Eulensicht ergänzt die Athene zugeschrieben Weisheit, während Brekers Figur mit dem Speer das Attribut der Kampfes betont. Die Künstlerin selbst schreibt:

Reminiscent of coin-operated viewfinders found at scenic overlooks, this bronze artwork features a column and owl-shaped binoculars that evoke associations with Athena’s (missing) owl and make visible „shadow stories“ related to Breker’s problematic legacy. The installation is positioned next to the statue of Pallas Athene, offering a direct view. Viewers are symbolically invited to adopt the owl’s perspective and use the apparatus to gain new insights.

Dieses Bronzekunstwerk erinnert an die münzbetriebenen Fernrohre, die man an Aussichtspunkten findet. Es besteht aus einer Säule und einem fernglasförmigen Objektiv, das Assoziationen zu Athenas (verschwundener) Eule weckt und „Schattengeschichten” sichtbar macht, die mit Brekers problematischem Erbe in Verbindung stehen. Die Installation befindet sich neben der Statue der Pallas Athene und bietet einen direkten Blick darauf. Die Betrachter werden symbolisch dazu eingeladen, die Perspektive der Eule einzunehmen und mit Hilfe des Geräts neue Erkenntnisse zu gewinnen.5

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Die Inschrift bei Tageslicht.

Azra Aksamija wurde 1976 in Sarajewo geboren, lebt und arbeitete in Boston. Sie ist Professorin am Fachbereich Architektur des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ihre künstlerischen Arbeiten sind in internationalen Ausstellungen vertreten, so zum Beispiel bei der Biennale in Venedig dem Queens Museum of Art in New York, der Royal Academy of Arts in London oder in der Kästner Gesellschaft in Hannover. Aksamija erhielt 2013 den Aga Khan Preis für Architektur, 2018 den Kunstpreis der Stadt Graz und 2020 ein Ehrendoktorat des Montserrat College of Art.6

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